13. Mizmorim Kammermusik Festival
27.–31. Januar 2027Jidl mitn Fidl
Mit keinem anderen Instrument ist die jüdische Musiktradition so eng verwoben wie mit der Violine. Das Festival widmet sich unter dem Titel «Jidl mitn Fidl» dieser so vielfältigen wie fruchtbaren Beziehung.
Programm
Internationale Mizmorim Masterclass
Samstag, 21. November
Abschlusskonzert
Die beiden Ensembles Trio Venere und Shiraz Quartet präsentieren Werke, die sie während der 2. Internationalen Mizmorim Masterclass erarbeitet haben.

Mizmorim goes Zürich
Montag, 11. Januar
19.30 Uhr
60 Minuten
Gastspiel
Yaron Deutsch (E-Gitarre) präsentiert sein Werk Anemone, Mon Amour, begleitet von einem Künstlergespräch mit Till Löffler.

Liedl mitn Fidl: Spiegel der Tradition
Mittwoch, 27. Januar
Vortrag
Das Mizmorim-Motto Jidl mitn Fidl greift einen Topos auf, der in der populären jiddischen Musik des 20. Jahrhunderts vielfältige Resonanz gefunden hat. Einer dieser Songs wurde im Rahmen des Klezmerrevivals besonders prominent, doch seine Geschichte ist weitaus komplexer als bislang bekannt. Der Musikwissenschaftler Eckhard John erläutert, wie sich diese nicht nur als ein Instrument der Traditionsstiftung erweist, sondern auch grundsätzliche Aspekte des Themenfeldes Judentum und Violine spiegelt.

Hebrew Melody
Mittwoch, 27. Januar
Pre-Concert
Hana Ajiashvili greift in With a Broken Fidl für Violine solo (UA) die bis aufs Barockzeitalter zurückreichende Tradition der Solosonate für Violine auf. Dass auch ein einzelnes Cello oder ein Duo aus Violine und Violoncello vollgültiger Kammermusik zugänglich sind, zeigen andere, ältere Werke des Programms. Es spielen Ilya Gringolts (Violine), Enrico Dindo (Violoncello), Dmitry Smirnov (Violine), Ronny Spiegel (Violine) und Benedek Horváth (Klavier).

Auf Geigenspuren
Donnerstag, 28. Januar
Führung
Das diesjährige Mizmorim-Thema eröffnet ein schier unendliches Repertoire von Musik für Violine und andere Streichinstrumente. Die Führung von Heidy Zimmermann in der Paul Sacher Stiftung gibt Einblick in die Sammlungen des Archivs und wirft Schlaglichter auf Manuskripte von Werken, die am Festival zu hören sind.

Voice of the Soul
Donnerstag, 28. Januar
Eröffnungskonzert
Die Komposition Projections von Hana Ajiashvili eröffnet als Uraufführung die Folge der vier Werke im Eröffnungskonzert. Fast achtzig Jahre älter sind die beiden «Concertino» genannten Werke für Violoncello beziehungsweise Violine und Streichorchester von Mieczysław Weinberg. Der Freund von Dimitri Schostakowitsch stand lange im Schatten anderer sowjetrussischer Komponisten, verblüfft aber durch die Eleganz und Ehrlichkeit seiner Tonsprache. Präsentiert wird das Programm von Ilya Gringolts (Violine und Leitung), Enrico Dindo (Violoncello) und dem Mizmorim Festival Ensemble.

King David’s Lyre
Freitag, 29. Januar
Konzert II
Auch der ungarische Avantgardist György Ligeti begann einmal als tastender, sorgfältig die instrumentalen und vokalen Möglichkeiten auslotender Tonkünstler – etwa mit seiner Sonata für Violoncello solo oder Kineret für Stimme und Klavier. Im Weiteren erklingen als Schweizer Erstaufführungen Werke von Viktor Ullmann, Minna Keal und Hanoch Jacoby. Robert Schumanns Sechs Gesänge op. 8 in einer Transkription von Aribert Reimann beschliessen das Programm, das von Anna Juniki (Stimme), Dmitry Smirnov (Violine), Ronny Spiegel (Violine), Guy Ben-Ziony (Viola), Rafael Rosenfeld (Violoncello) und Benedek Horváth (Klavier) zum Klingen gebracht wird.

Strictly Strings
Freitag, 29. Januar
Konzert III
Sie waren enge Freunde seit Studienzeiten: György Ligeti und sein Landsmann György Kurtág, der letztes Jahr noch als Hundertjähriger die Früchte seines lebenslangen Komponierens ernten konnte. Im Konzert sind Streichquartett-Werke der beiden ungarischen Meister zu hören, ergänzt durch das vierte und letzte Quartett des Urvaters aller modernen Kammermusik, Arnold Schönberg. Das Konzert wird gespielt vom Gringolts Quartet.

Violin Phase
Freitag, 29. Januar
Konzert IV
Singen kann man mit dem menschlichen Stimmorgan, aber auch mit der Violine. Letzteres hat 1955 der junge Heinz Holliger in seiner Elegischen Musik erprobt, darin den Impressions d'enfance von George Enescu für Violine und Klavier folgend. In starkem Kontrast dazu stehen die Werke Knights of the Strange von Chaya Czernowin für Akkordeon und E-Gitarre sowie Violin Phase von Steve Reich. Mit Ilya Gringolts (Violine), Dmitry Smirnov (Violine), Yaron Deutsch (E-Gitarre), Marie-Andrée Joerger (Akkordeon), Marianna Shirinyan (Klavier) sowie mit dem Liedduo Anna Juniki (Stimme) und Benedek Horváth (Klavier).

Changing Light
Freitag, 29. Januar
Late Night Concert
Jean Sibelius liebte seine nordische Heimat über alles, und man hört das in seiner Berceuse (Wiegenlied) für Violine und Klavier. Jüngere finnische Tonkünstler hingegen grenzen sich gern ab von der finnischen Ansichtskarten-Idylle. So etwa die 2023 mit 70 Jahren verstorbene Kaija Saariaho, die den Grossteil ihres Lebens in Paris verbrachte. Das Sangliche ist ihrer Musik erhalten geblieben, zum Beispiel in Changing Light nach einem Text von Rabbi Jules Harlow. Die Werke werden präsentiert von Anna Juniki (Stimme), Dmitry Smirnov (Violine), Brandon Garbot (Viola) und Benedek Horváth (Klavier).

Reisetagebuch
Samstag, 30. Januar
Matinée-Konzert
Anemone, Mon Amour
Yaron Deutsch (E-Gitarre) improvisiert und spielt vorgefertigtes musikalisches Material und notierte Kompositionen – von ihm selbst, von Klaus Lang und Laurence Crane. Es ist der Soundtrack einer Tragödie, die ihren Abschluss in einer Hommage an einen Meilenstein der israelischen Liedtradition findet: Moshe Wilenskys Vertonung des Gedichts Kalaniyot (Anemonen) von Natan Alterman.

Jidl mitn Fidl? Grosse jüdische Geiger
Samstag, 30. Januar
Mizmorim Cinema
Ausgehend von der legendären amerikanisch-polnischen Filmproduktion Jidl mitn Fidl (1936) wird der Frage nachgegangen, inwiefern die Geige als charakteristisches Musikinstrument für die jüdische Tradition gelten kann. Ausgewählte Filmporträts herausragender jüdischer Geiger von Jascha Heifetz über David Oistrach und Yehudi Menuhin bis zu Itzhak Perlman und Gidon Kremer werden vorgestellt. Im Gespräch mit Heidy Zimmermann diskutieren der Geiger Ilya Gringolts und der Musikwissenschaftler Felix Meyer über das charakteristische Profil der einzelnen Figuren und über ihre Bedeutung für die grosse Tradition des Instruments seit Beginn des 20. Jahrhunderts.

Eine Blume für Tabea
Samstag, 30. Januar
Konzert V
Die Bratschistin Tabea Zimmermann hat massgeblich zum Entstehen neuer Kompositionen für ihr Instrument beigetragen, so etwa durch die Zusammenarbeit mit György Kurtág, der eines seiner Werke mit «… eine Blume für Tabea …» betitelte. Lange vor ihm hat der Brahms-Freund Joseph Joachim Hebräische Melodien für Viola und Klavier gesetzt, und im frühen 20. Jahrhundert kombinierte Frank Bridge gar zwei Bratschen zu seiner Komposition Lament. Ebenfalls zwei Bratschen bilden die Mittelstimmen im Quintett in B-Dur von Felix Mendelssohn Bartholdy. Mit Tabea Zimmermann (Viola), Guy Ben-Ziony (Viola), Benedek Horváth (Klavier) und dem Gringolts Quartet.

Mizmorim Kids: Bogen vermisst
Sonntag, 31. Januar
Konzert VI
Sasha und der verlorene Bogen ist ein interaktives musikalisches Erzählformat, das Kindern einen Zugang zur Violine und zur klassischen Musik ermöglicht. Die Geschichte folgt Sasha, der entdeckt, dass der verschwundene Geigenbogen auf geheimnisvolle Weise durch die Zeit gewandert ist. Begleitet von einer magischen Fee begibt sich Sasha mit dem jungen Publikum auf eine Reise durch unterschiedliche musikalische Epochen. Die «Reiseleitung» hat Çiğdem Tunçelli Sinangil (Violine).
Für Kinder ab 4 Jahren.

Saiten und Felle
Sonntag, 31. Januar
Konzert VII
Wo endet die Komposition und wo beginnt die Improvisation? Was ist europäische Musikkultur und wo beginnt das Fremde? Das mag man sich bei manchem der sechs Werke dieses Programms fragen. Sie stammen von Younghi Pagh-Paan, Marcel Mihalovici, Gitta Steiner, György Kurtág, Carola Bauckholt und Lou Harrison, und gespielt werden sie von Christian Dierstein (Schlagzeug und Leitung), dem Schlagzeugensemble der Musik-Akademie Basel, Ilya Gringolts (Violine), Maksim Barbash (Violoncello), Benedek Horváth (Klavier) und Akiko Okabe (Klavier).

Geige im Dreier-Team
Sonntag, 31. Januar
Tea Time Concert
Vielleicht steckt in jedem Musikwerk eine persönliche Erinnerung oder eine Botschaft, auch wenn dies nicht ausdrücklich thematisiert wird. Dass der Berliner Komponist Boris Blacher auf seine jüdische Kindheit und Jugend zurückblickt, ist seinen Drei Studien über jüdische Volkslieder anzuhören. Auch Sarah Nemtsov schwelgt in ihrem Streichtrio Erinnerungen in ihrer Vergangenheit. Was aber Bruno Maderna 1971 mit dem Geiger Ivry Gitlis verbindet, möchte man seinem Solo-Werk für Violine nur zu gern entnehmen. Es spielt das Basler Mondrian Ensemble.

Jewish Salon reloaded
Sonntag, 31. Januar
Konzert VIII
Der Abschlussabend des Festivals lädt ein in ein imaginäres Café, in dem sich jüdische Salonmusik, frühe Jazzklänge und klassische Traditionen begegnen. Fritz Kreisler, George Gershwin und Ernest Bloch treffen auf zu Unrecht vergessene Stimmen wie Alexander Krein, Joseph Bonime und Vladimir Dyck, und im Sinne des Festivalmottos ziehen Klezmerklänge und Filmmusik von Abe Ellstein als verbindender roter Faden durch den Abend. Das Ensemble setzt sich zusammen aus Ronny Spiegel (Violine), Sebastian Braun (Violoncello), Philipp Moll (Kontrabass) und Mischa Cheung (Klavier).
